Die Geschichte des Fahrrads - Erfindung der zweirädrigen Fahrzeuge

Vor der Entstehung des heutigen modernen Fahrrads gab es mehrere Beispiele für einfachere Fahrradtransportvorrichtungen. Alles begann im 16. Jahrhundert mit der Entdeckung von Leonardo da Vincis Skizzen von 1493, die einfache Entwürfe für Fahrräder enthielten. Einige Historiker behaupten, dass entweder sein Schüler Gian Giacomo Caprotti diese Zeichnung gemacht hat oder das ist eine Fälschung. Dieses Design wurde nie in ein funktionierendes Modell umgesetzt und in den folgenden vierhundert Jahren blieben Pferde das einzige erschwingliche Verkehrsmittel auf öffentlichen Straßen.

Der deutsche Baron Karl von Drais erfand im frühen 19. Jahrhundert den Vorläufer des modernen Fahrrads. Dieses Veloziped namens “Laufmaschine” bestand aus zwei Rädern, die mit einer zentralen Stange zusammengehalten wurden. Der Fahrer dieses Fahrzeugs musste gehen und rennen, um die erforderliche Geschwindigkeit zu erreichen und dann seine Beine anzuheben und weiter zu fahren, bis sein Schwung nachließ. In England wurde das Design von Von Drais mit dem kommerziell erfolgreichen “Dandy Horse” verbessert.

Dieses Design blieb fast 40 Jahre lang im Einsatz, bis zwei französische Kutschenhersteller auf die Idee kamen, die die Fahrradwelt revolutionieren würden. Pierre Michaux und Pierre Lallemen sahen, wie “Dandy Horse” verwendet wird, und sie entwickelten den Plan, die Pedale am Vorderrad zu befestigen und den Fahrersitz auf dem Stützbalken zu installieren.

Im Jahr 1864 fertigten sie ihr erstes Modell, das sich als sehr effizient und einfach zu produzieren erwies. Vier Jahre später sammelten sie die Mittel für die Massenproduktion und begannen, ihr ursprüngliches Design auf das zu verbessern, was später als “Boneshaker” bekannt wurde. Der Fahrradrahmen wurde aus Eisen statt aus Holz gefertigt, und schon bald begannen sie mit Gummirädern und Kugellagern. Eines der beliebtesten Designs dieser Zeit war das Fahrradmodell mit größerem Vorderrad. Das 1869 von den Franzosen Eugene Meyer gegründete und vom Engländer James Starley in Serie produzierte Hochrad-Fahrrad verbesserte mehrere Aspekte seiner Nutzung (komfortabler als “Boneshaker”, höhere Geschwindigkeiten und leichterer Rahmen), fügte aber einige Nachteile hinzu (schwierige Abfahrten und Steigungen). Erste Hochrad-Modelle sind in den 1870er Jahren in England erhältlich, wo sie bei gutem Licht empfangen wurden.

Nach den ersten Jahren der Popularität von Hochradfahrrädern entwickelte der Engländer John Kemp Starley 1885 sein erstes “Sicherheitsbike”. Heute gilt diese Erfindung als einer der wichtigsten Momente in der Fahrradgeschichte. Es hatte eine Kette, die die Pedale mit dem Hinterrad verband und ein lenkbares Vorderrad. Dieses Gerät (genannt Rover) löste die Zeit aus, die heute als “Goldenes Zeitalter der Fahrräder” bekannt ist. Seitdem wurden das Fahrraddesign und die Ausrüstung weltweit standardisiert und alle vier Grundaspekte – Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Lenkung – erfüllt. Sie alle hatten die grundlegende Diamantform aus Metall, Gummiluftreifen, Rollenkette, einen Gang, Rücktrittbremsen und mehr. Das goldene Zeitalter der Fahrräder dauerte von 1900 bis 1950, in dem das Fahrrad zu einem der wichtigsten Mittel des öffentlichen Straßenverkehrs wurde. Frühe Fahrradclubs populär gemacht Freizeit-Fahrten in ganz Amerika und Europa. Im Laufe der Jahre sanken ihre Herstellungskosten deutlich, was ihren Einsatz auf der ganzen Welt erhöhte.

Das moderne Zeitalter der Fahrräder begann in den 1960er und 70er Jahren mit der Steigerung des nordamerikanischen Bewusstseins für die Vorteile von Bewegung und energieeffizientem Transport. 1975 begannen über 17 Millionen Fahrer mit einer neuen Art von viel leichteren und billigeren Fahrrädern. Seitdem sind Rennräder, Mountainbikes und BMX zum Standard für Fahrradfahrer auf der ganzen Welt geworden, mit der Einführung von Hybrid-Pendlerfahrrädern (spezialisiert für den Stadtverkehr mit einer breiten Palette von Ausrüstungen für Mountain- und Speedfahrräder). Standardmaterialien aus denen moderne Fahrradrahmen hergestellt werden, sind Aluminium und Kohlefaser.

Im Jahr 2010 liegt die weltweite Produktion von Fahrrädern in einem Bereich von 125 bis 130 Milliarden Euro.

Zeitstrahl der Erfindung des Fahrrads

  • 4000 v. Chr.
    Erfindung des Rades im Vorderen Orient. Die ältesten aus zusammengesetzten Holzscheiben gebauten Räder rollen in Mesopotamien und im Schwarzmeergebiet. Das Rad gilt als die größte einzelne technische Erfindung der Menschheit.
  • 2000 v.Chr. Verwendung hölzerner Wagenräder in Süddeutschland
  • 1495 – Leonardo da Vinci soll erste Vorformen eines Fahrrads mit Doppelpedal und Kettenantrieb skizziert haben, was heute von Technologieforschern angezweifelt und als Fälschung eines Mönchs, der 1960 Leonardo da Vincis Handschriften restaurierte, bezeichnet wird.
  • 1750 – In Nürnbergs Umgebung zirkulieren hölzerne Zweiräder mit starrem Rahmen.
  • 1817 – Karl Friedrich Freiherr Dreis von Sauerbronn baut die erste lenkbare “Schnelllaufmaschine”, die Draisine. Laut Patentschrift der Badischen Regierung erreicht die Draisine auf der Ebene die Geschwindigkeit eines galoppierenden Pferds.
  • 1839 – Der amerikanische Chemiker Charles Goodyear entdeckt die Vulkanisierung des Kautschuks, die eisenbereiften Räder bekommen Konkurrenz.
  • 1845 – Der englische Ingenieur Robert William Thomson erfindet 43 Jahre vor John Boyd Dunlop den Luftreifen.
  • 1853 – Der deutsche Instrumentenbauer Philipp Moritz Fischer aus Oberndorf bei Schweinfurt versieht erstmals ein hölzernes Laufrad mit Tretkurbeln an der Vorderachse.
  • 1861 – Die Franzosen Pierre und Ernest Michaux , Vater und Sohn, entwickeln das erste brauchbare Hochrad, Michauline genannt.
  • 1867 – Die ersten Speichenräder tauchen auf. Die Erfindung wird einem Engländer namens Madison zugeschrieben.
    Geburt des Damenvelos: Es ist asymmetrisch gebaut, damit die Fahrerin wie auf dem Pferd im Damenreitsitz fahren kann.#
  • 1871 – Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 treibt die französische und deutsche Fahrradindustrie in den Ruin. Davon profitiert James Starley. Er verbessert das Hochrad entscheidend.
  • 1884 – Die Firmen Singer&Co sowie Hillmenn Herbert&Cooper entwickeln das Kangaroo. Es besitzt ein kleineres Vorderrad, da zu viele Menschen vom Hochrad stürzen. Außerdem ist am Vorderrad ein Kettenantrieb montiert.
  • 1884 – John Kemp Starley, Neffe von James Starley, überträgt die Pedalkraft durch Kettenantrieb auf das Hinterrad.
    Der schottische Tierarzt John Boyd Dunlop lässt den Luftreifen patentieren.
  • 1890 – Entwicklung des Niederrades durch Konstrukteur Humber. Es besitzt den auch heute noch üblichen Fünfeck- oder Trapezrahmen. Er besteht aus zwei Dreiecken, die für Stabilität und Stoßfestigkeit sorgen.
  • 1893 – Ernst Sachs erhält für die erste Fahrradnabe das Kaiserliche Patent.
  • 1902 – Die Firma Wanderer aus Chemnitz lässt die erste Zweigangnabenschaltung patentieren.
  • 1903 Ernst Sachs bringt nach acht Jahren Konstruktionsarbeit die “Torpedo”-Freilaufnabe mit Rücktritt auf den Markt.
  • 1905 – Radfahren auch nachts, dank Beleuchtung durch Karbidlaternen!
  • Heute – Seit ca. hundert Jahren besitzt das Fahrrad schon alle wesentlichen Teile. Trotzdem sieht es heute z.T. etwas anders aus!

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Veröffentlicht von Wolfgang Picheta

Wolfgang Picheta ist leidenschaftlicher Blogautor auf seiner eigenen Website und schreibt regelmäßig auf der taz. Er hat sich in den letzten 12 Jahren seines Lebens auf das Thema Nahrungsergänzung spezialisiert. Auf Palkan teilt er mit uns seine Erfahrungen und seine objektive Einschätzung zu allen Themen im Bereich Supplements. Eine besser Aufklärung zu diesem Thema ist laut eigenen Angaben seine Lebensaufgabe. Jeder sollte sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

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